Offener Umgang mit allen Daten oder Datenschutz: Mit dem Thema „Transparenz im Internet“ haben die evolver cubedays 2011 die aktuelle Debatte über die Weitergabe von Nutzerdaten durch Facebook-Dienste aufgegriffen. Im Interview sprechen die beiden Referenten Andreas Von Gunten und Gerhard Deiters über ihre unterschiedlichen Standpunkte.
Was bedeutet heute Transparenz im Internet?
Gerhard Deiters (GD):
Das ist definitionsabhängig: Wenn Transparenz bedeutet, dass der Nutzer im Internet freien Zugang zu verlässlichen Informationen hat und selbst bestimmen kann, was mit seinen Daten geschieht, ist das positiv. Wenn es heißt, dass der Nutzer sein Nutzungsverhalten und andere Daten ohne seine Kenntnis an Dritte weitergibt, ist dies negativ zu bewerten. Leider sieht die aktuelle Lage so aus, dass Nutzer einem hohen Risiko ausgesetzt sind, dass ihre Daten - insbesondere ihr Nutzungsverhalten - unbefugt von anderen gesammelt und genutzt werden. Oftmals bringen die Nutzer auch nicht das technische Hintergrundwissen mit, um dies selbstständig zu regulieren, sofern dies überhaupt möglich ist. Als Anwalt bin ich da Interessenvertreter, der nach der aktuellen Rechtslage berät.
Andreas Von Gunten (AVG):
Auf der einen Seite sprechen wir von einer zunehmenden Transparenz der persönlichen Daten im Internet, die dadurch geschaffen wird, indem wir Social Media-Anwendungen wie Twitter, Google+ oder Facebook nutzen. Auf der anderen Seite geht es aber auch um eine geforderte Transparenz der Unternehmen, Behörden und Medien gegenüber ihren Nutzern, Kunden und der Gesellschaft. So verlangen immer mehr Bürger, dass die Organisationen, die Daten über sie sammeln, auch transparent machen, was mit diesen Daten geschieht beziehungsweise diese Daten in anonymisierter Form wieder allen Nutzern zur Verfügung stehen.

